Projektwerkstatt

Projektwerkstatt LebensRaum
Marlies Haase
Oldesloer Str. 37, 22457 Hamburg
Tel. 040 55 00 98 73 /F ax 55 00 98 69


 



Fortsetzung wie Kinder lernen

Die Situation ist heute völlig anders als noch vor hundert Jahren. Ohne die gute alte Zeit zu glorifizieren, war die Erfahrungs- und Lernsituation für Kinder komplexer und immer auf das Leben bezogen. Damals konnten Kinder ihre Umgebung mit zunehmendem Alter in immer größer werdenden Radien selbstständig erforschen und kennenlernen. Die Kinder spielten ohne Aufsicht im Wald, am See, oder im Feld. Auch auf der Strasse oder im Hof machten sie ihre eigenständigen Erfahrungen. Sie allein oder in Gruppen ihre Kraft und Selbständigkeit aus. So ganz nebenbei (man merkt dies im Gespräch mit Großeltern), lernten sie etwas über Wind und Wetter und jahreszeitliche Veränderungen. Das Verhalten von Tieren und Vögeln war ihnen vertraut. Da sie ihren Eltern helfen mußten, lernten sie Getreidesorten, Gemüse und Obstsorten kennen. Auch über Anbau und Verwendung bekamen sie durch die tägliche Arbeit praktische Hinweise. Kinder hatten Pflichten, sie versorgten Kaninchen und Hühner mit frisch gepflücktem Löwenzahn. Kinder mußten auch sonst Aufgaben in Haus und Hof übernehmen. Die Kinder spielten und arbeiteten mit den selben Werkstoffen wie die Erwachsenen. Sie ahmten Arbeitsvorgänge nach oder waren daran beteiligt. Brotbacken, Einkochen, Feuerholz sammeln, Feuer machen: Diese Tätigkeiten waren wichtig, um etwas zu essen zu haben oder um nicht zu frieren. Diese unmittelbaren Erfahrungen verstärkten ein lernen mit allen Sinnen. Ganz automatisch lernten die Kinder für das Leben und wuchsen in die Welt der Erwachsenen hinein. Sie hatten auch eine Vorstellung, was im Erwachsenenleben auf sie zu kam. Dies half den Heranwachsenden eine Vorstellung vom Leben der Erwachsenen zu entwickeln.
Es wird nun deutlich, warum wir es heute mit so vielen Störungen zu tun haben. Kindersinne (und nicht nur diese) müssen stimuliert werden, um zu erfassen, zu handeln und um zu verstehen.
Hier nun zeigt sich die Aufgabe für heutige Pädagogen. Die Entwicklung in unserer Zeit schränkt ein direktes Lernen immer mehr ein. Wir müssen dafür sorgen, das Kinder nicht nur Aktivität im Konsum zu zeigen, sondern die Möglichkeiten bekommen, ihre Lebenswelt in ihrer ganzen Vielfalt aktiv zu erfahren. Die pädagogischen Begriffe „entdeckendes Lernen“ und „bildendes Tun“ die besondersin der Projektarbeit benutzt werden, machen deutlich, wie Kinder lernen.
Dazu einige Zitate:

Wenn man Kinder fördern möchte, sollte man sie tun lassen, was sie gerne tun, sie ihre Neugierde ausleben lassen. (Professor Wilkening)

Kinder müssen lebensweltlich lernen. ( F. Wilkening )

Begreifen geht über Greifen,
Erfassen geht über Fassen,
Verstehen geht über Stehen. (altes Erziehersprichwort )

Kinder mit viel Bewegungsmöglichkeiten und der Freiheit, ihre Umgebung auf
eigene Faust spielerisch zu erkunden, üben auch ihre geistigen Fähigkeiten.
(F. Wilkening )

Naturpädagogik, Projektarbeit, und der situationsorientierte Ansatz, sowie die Waldorfpädagogik sind pädagogische Richtungen., die diese Aufgabe sehr ernst nehmen. Ich würde jedem Pädagogen raten, sich nicht auf eine Richtung festzulegen, sondern Methodenvielfalt zu praktizieren. Wichtig ist auch, die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu kennen und sie in die Arbeit mit einzubringen.Autentizität macht Wissensvermittlung zu einem Erlebnis für alle. Wenn der Pädagoge offen ist, mit den Kindern zusammen zu lernen, findet auch eine gemeinsame Entwicklung statt. Für alle sollte gelten, der Mut zum Erlebnis kommt vor dem Ergebnis.